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Saufen und Liberalismus

Dienstag, 19. August 2008, 09:20 | Gesellschaft | von Theddy | Drucken Drucken

Wie man den Medien entnehmen konnte, sind Ende August in Zürich und Bern (auf dem Bundesplatz!) Massenbesaufanlässe geplant – Dinge, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Verschiedentlich wird jetzt über ein Verbot dieser Veranstaltungen nachgedacht – mindestens in Bern braucht ein Event auf dem Bundesplatz sowieso eine Bewilligung. Aber schon melden sich die Stimmen, dass sowas nicht verboten werden solle – es gäbe schon zu viel Verbote, hier soll sich der Staat nicht auch noch einmischen. Nun, so einfach ist das für mich nicht. Solange eine solche Veranstaltung, die nur zu Ziel hat, möglichst schnell besoffen zu sein, auf einem öffentlichen Grund tatsächlich nichts zu suchen. Ich sehe da keine Verletzung von Freiheit, wenn der Staat Regeln von Anstand und Würde vertritt. Mit dem Saufen allein ist es ja noch nicht fertig – irgendwie muss die Blase entleert werden. Und da kann es nicht die Aufgabe des Staates sein, für einen solchen Anlass auch noch entsprechende Einrichtungen bereit zu stellen. Wenn eine solche Veranstaltung auf privatem Gelände oder in einem privaten Gebäude (Restaurant, Saal, Halle) durchgeführt werden soll, dann sehe ich keine Probleme – da ist ja niemand mehr gezwungen, hinzugehen und der Veranstalter hat für die „Entsorgung“ zu schauen.

Also liebe freiheitsliebende Komasaufer – sucht euch einen privaten Veranstalter und ein privates Gelände für eure völlig absurde Idee – dafür habe ich schlicht weg kein Verständnis.

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Kommentare

Kommentar #1 von: Dan
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 10:23

Wenn noch alle Teilnehmer -Innen orange T-Shirts anziehen würden, dann fände es die ganz Schweiz plötzlich ein tolle Fest. So wie in Bern oder Basel während der Euro

Kommentar #2 von: theddy
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 10:26

Ob „die ganze Schweiz“ die orange Sauferei und vor allem Schi****ei wirklich so toll fand, möchte ich bezweifeln.

Kommentar #3 von: Dan
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 11:19

Das vielleicht nicht, aber zumindest die gleichen Medien wie der Tages Anzeiger hingegen schon.

Kommentar #4 von: theddy
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 11:24

Bei der Euro 08 ging es (auch) noch um Fussball – beim Komasaufen aber fällt sogar das weg. Wie geschrieben, auf privatem Grund ist mir das egal – aber auf dem Bundesplatz schon weniger.

Kommentar #5 von: J0nas
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 15:42

Saufen und Fussbal ist also in Ordnung, Saufen alleine nicht?
Viele Menschen brauchen einen Grund um zu Saufen, andere eben nicht.

>> da ist ja niemand mehr gezwungen, hinzugehen
Es wird niemand gezwungen diese Party zu besuchen

So oder so wird das ganze völlig übertrieben:
Dass ganze ist einfach nur eine grosse Party wo man Leute kennen lernt und Spass hat, da geht es nicht nur um dass sinnlose besauffen

Kommentar #6 von: theddy
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 15:55

Ja, immerhin war es eben Euro 08 und ein Fussball-Fest – und da wurde auch gesoffen. Aber nur Saufen als alleiniger „Festinhalt“ finde ich etwas „dürftig“. Nein, es wird tatsächlich niemand zu dieser Party gezwungen. Und ich schriebe, wenn die irgendwo im privaten Rahmen und auf privatem Raum veranstaltet wird, dann meintetwegen – aber eben nicht im öffentlichen Raum.

Kommentar #7 von: Thomas
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 20:04

Fussball als Zurschaustellung männlicher Aggression ist als „Festinhalt“ ebenfalls dürftig. Ebenso die männliche Selbstherrlichkeit am Sechseläuten mit anschliessendem Saufgelage…

Kommentar #8 von: theddy
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 20:15

Na ja, so gesehen wäre dann jede Sportveranstaltung „dürftig“. Und wie ist es mit den Sportveranstaltungen, wo Frauen gegeneinander antreten?

Kommentar #9 von: Thomas
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 20:29

Nein, da steht doch z.B. Tennis schon eine Stufe höher. Nur könnte jemand bei der gegenwärtigen Verbotitis auf die Idee kommen, das Ächzen der Spielerinnen sei pornographisch und hätte deshalb in der Öffentlichkeit nichts zu suchen…

Kommentar #10 von: theddy
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 20:32

Warum steht Tennis „eine Stufe höher“?

Kommentar #11 von: Thomas
Geschrieben am: Dienstag, 19. August 2008, 21:08

Weil die Aggression sublimiert ist (Anderer Vergleich: Heavy-Metal und Klassische Musik) . Gepöbelt wird in Fussballstadien, nicht beim Tennis, beim Golfen, beim Schwimmen oder beim Zehnkampf.

Kommentar #12 von: amade.ch
Geschrieben am: Mittwoch, 20. August 2008, 11:18

ich sehe das sehr ähnlich wie theddy: wenn es nur noch um das saufen geht, fehlt mir jedes verständnis. das heisst aber nicht, dass mich die besoffenen an fussballspielen nicht auch stören würden. übrigens sind heavy metal konzerte meist superfriedlich. für mich ist alkohol ein genussmittel.

ich möchte aber grundsätzlich mal den ganzen alk-kult in frage stellen. gerne verweise ich darum auf den gestrigen beitrag zum gleichen thema auf meinem blog.

Kommentar #13 von: Thomas
Geschrieben am: Samstag, 23. August 2008, 16:44

Beim Botellón gehts ja auch nicht nur ums Saufen, sondern ums gesellige Beisammensein – wie an all den Sportanlässen und traditionellen Festen auch. Dass die Medien daraus ein „Massenbesäufnis“ machen, sagt bloss etwas über die populistische Berichterstattung der neoliberalen Medien aus. Ein spanischer Soziologe hat im Tagi auch kritisiert, dass die Medien den Fokus dann sofort auf die „Alkoholleichen“ richten werden. In den Zunfthäusern spielen sich am Sechseläuten grässliche Szenen ab, aber auch dort wird niemand in seinem Erbrochenen liegen gelassen…

Kommentar #14 von: theddy
Geschrieben am: Samstag, 23. August 2008, 18:07

@Thomas
Mir ist schon klar, dass wir medienmässig wohl immer noch im Sommerloch sind und dass dieses Thema all zu arg hochgekocht wurde. Und mir ist auch klar, dass an vielen anderen Festen gesoffen wird. Aber trotzdem mach ich mir da gewisse Sorgen – wenn der einzige Inhalt das Zusammentreffens wirklich nur noch das Saufen ist, dann ist für mich irgendwo eine Grenze überschritten. Sechseläuten, Fastnacht, Turnfeste, Sängerfeste, Dorffeste usw. haben immerhin doch auch noch andere Inhalte. Dass viele Dinge heute nur noch über Alkohol und andere Drogen „funktionieren“, ist mir eine weitere Sorge.

Was ich in deinem Kommentar gar nicht verstanden habe: Was sind neoliberale Medien?

Kommentar #15 von: Thomas
Geschrieben am: Sonntag, 24. August 2008, 14:29

„Neoliberal“ im Sinne des populären Sprachgebrauchs: Medien wie Blick, Tagi, Weltwoche und die Gratiszeitungen, die belanglose und inhaltsleere Ereignisse zum Hype aufblasen, nur damit die Verkaufs- und Leserzahlen stimmen bzw. möglichst viel Inserate geschaltet werden. D.h. das Geld kommt vor der Moral und vor der Verantwortung. Letztlich auch die Medien als vierte Gewalt, die der Justiz dreinredet und unliebsame Politiker permanent torpediert und damit die Handlungsunfähigkeit der Politik, die sie zu kritisieren vermeint, selber produziert.

Kommentar #16 von: theddy
Geschrieben am: Sonntag, 24. August 2008, 19:07

Ich habe genauso grosse Mühe mit den Medien heute – im Moment ist das Thema „Flugzeuge“ wieder hochaktuell… Seriöser Journalismus scheint heute nicht mehr gefragt zu sein – vielleicht halt auch eine Auswirkung der Gratiszeitungen, wo einfach nur noch Agenturmeldungen abgeschrieben werden. Und der durch die Online-Medien hervorgerufene Drang zur absoluten Aktualität ermöglicht kaum noch eine fundierte Recherche. Dass „das Geld vor Moral und Verantwortung“ kommt, ist aber kaum neu – das war und ist in unserem Wirtschaftssystem ja immer so – leider.

Kommentar #17 von: Pc-Supporter
Geschrieben am: Donnerstag, 4. Dezember 2008, 1:05

Hi lieber Theddy,

Du bist toll. Gut, dass Du das schriebst. Ist wichtig.

Du, das ist zwar nicht die Mehrheit der Schweiz, ich weiss, dass die Mehrheit kifft und nicht sauft, aber DAS sind die, die hier den Ton angeben: Die gemeinen, verblödeten, fiesen und miesen Säufer, welche meist auch oft Gewalttäter sind.

Und Rassisten. Gehört rausgeschmissen, solcher Nazi-Pöbel. Kann die Schweiz aber ja wohl nicht grad machen, sonst müsste sie ca. ein Drittel der ganzen Bevölkerung „rausschmeissen“.

Du, ich kämpfe zwar weiter, aber nicht mehr lange von der Schweiz selbst aus. Für nicht Superreiche ist auch das Leben hier VIEL zu teuer, völlig unbezahlbar. Ich hab n kaputten Körper, weil keine Ferien seit nun 12 und mehr Jahren. Werde in max. 2 Jahren in ein sehr fernes Land auswandern, wo es sehr warm ist. Und wo mein Geld mich zum Fürsten macht.

Von DA werd ich dann „B-Loggen“, ein blödes Wort. Ich kommentiere, ich „blogge“ niemals. Die ganze pseudo-moderne Welt kann mir mit ihrem Gestank und Gift. Gras ist kein Gift, sondern Alkohol. Punkt, aus, fertig.

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